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Bad Gastein, 07.07.2011: „Julia Görges, Sie haben 2010 in Bad Gastein Ihr erstes WTA-Turnier gewonnen. Wie ist Ihnen dieser große Erfolg in Erinnerung geblieben“? Julia Görges: „Das sind natürlich wunderschöne Erinnerungen, so etwas vergisst man nicht. Ich hätte ja vor diesem Turnier 2010 nie mit dem Titel gerechnet, da ich zuvor sehr viele Turniere absolviert habe und schon sehr müde war. Dann noch der „verrückte“ Sonntag, wo ich zuerst Halbfinale und dann auch noch das Finale gewonnen habe. Das hat dann schon ein paar Tage gedauert, bis ich überhaupt realisiert habe, was ich da geschafft habe. Mittlerweile habe ich mir schon mehrmals die DVD vom Endspiel angesehen, das wird mir immer in Erinnerung bleiben.“
„Sie haben schon im Vorjahr immer wieder betont, dass Sie sich in Bad Gastein sehr wohl fühlen. Was ist für Sie das besondere am NÜRNBERGER Gastein Ladies?“ Julia Görges: „Es ist ganz sicher die besondere familiäre Atmosphäre. Das gesamte Turnier ist sehr gut organisiert, im Hotel „Europäischer Hof“ sind alle supernett, man fühlt sich einfach wie zuhause. Dazu kommen die Gemütlichkeit und die kurzen Wege, das passt alles zusammen. Ich habe auch schon anderen Spielerinnen auf der Tour erzählt, wie speziell Bad Gastein im Gegensatz zu vielen anderen Turnieren ist. Mir gefällt Österreich ohnehin gut, ich war früher in Österreich oft zum Ski fahren. “
„Mittlerweile sind Sie zu einem echten Star mutiert. Sie haben in diesem Jahr schon zweimal die aktuelle Nr.1 der Welt Caroline Wozniacki besiegt und das große Turnier in Stuttgart gewonnen. Wie haben Sie die letzten Monate erlebt?“ Julia Görges: „Was da im April und Mai abgegangen ist war natürlich unglaublich. Zunächst Stuttgart, sprich zuhause zu gewinnen und noch dazu so ein großes Turnier und dann fahre ich nach Madrid und besiege nochmals die Nummer eins. Letztendlich war es etwas ganz Neues für mich, etwas Ungewohntes, denn das Medieninteresse ist daraufhin stark gestiegen. Aber das ist ja auch etwas Schönes.“
„Hat sich Ihr Leben durch diese Erfolge stark verändert?“ Julia Görges: „Natürlich hat sich ein bisschen was verändert. Mein Manager hatte außergewöhnlich viele Interviewanfragen. Wir waren schon überrascht, wie groß das Interesse in Deutschland plötzlich geworden ist. Am Anfang ist es ungewohnt, aber man wächst da schon hinein. Allgemein spürt man in Deutschland den Aufschwung im Tennis. Die Aufmerksamkeit ist höher, die Spiele, wie zum Beispiel der Fed-Cup, werden wieder vermehrt im TV übertragen. Das ist schön zu sehen, genau das wollten wir ja erreichen.“
„Sie haben schon jetzt im Alter von 22 Jahren den Sprung unter die 20 besten Spielerinnen der Welt geschafft. Wie sehen Ihre weiteren Ziele in diesem Jahr aus?“ Julia Görges: „Das Ranking, sprich welche Zahl vor deinem Namen steht, ist natürlich schon sehr wichtig. Ich möchte mich jetzt mal dort etablieren, wo ich bin. Unter den besten 20 der Welt zu bleiben, ist schon schwierig genug.“
„Für Aufsehen haben Sie aber nicht nur auf dem Tennisplatz gesorgt. Sie haben vor kurzem einen Werbevertrag unterschrieben und sind jetzt Nachfolgerin von Supermodel Heidi Klum“. Julia Görges: „Einen Werbevertrag zu bekommen ist natürlich etwas Tolles und die Folge von erfolgreicher Arbeit auf dem Tennisplatz. Das ist für mich eine große Ehre das neue Gesicht für „Katjes“ und damit Nachfolgerin von so einer Berühmtheit wie Heidi Klum zu sein. Ich werde versuchen den Job so gut wie möglich zu machen, ohne natürlich mein Tennis zu vernachlässigen.“
„Lassen Sie uns abschließend zurück nach Bad Gastein kommen. Was nehmen Sie sich für die kommende Woche vor? Julia Görges: „Die Titelverteidigung wird schwer genug, die Masse an guten Spielerinnen ist groß. Aber natürlich kann mein Ziel in Bad Gastein nur sein, das Turnier neuerlich zu gewinnen.“
Mario Lug, Pressechef des NÜRNBERGER Gastein Ladies, führte das Interview mit Julia Görges. Erzählen Sie uns etwas über Ihre Familie JG: Mein Vater arbeitet in der Versicherungsbranche und meine Mutter hilft ihm mit, das Büro ist in unserem Haus. Ich habe auch eine 32-jährige Schwester, Maike. Eigentlich ist sie meine Halbschwester, wir sehen auch unterschiedlich aus: Ich bin 1,80 und dunkelhaarig, sie hat blonde Haare und ist etwas kleiner! Wir haben den gleichen Vater. Sie arbeitet auch in der Versicherungsbranche, aber nicht im selben Büro wie unser Vater.
Wie kamen Sie zum Tennis? JG: Ich fing an zu spielen, als ich fünf Jahre alt war. Meine Eltern brachten mich in einem lokalen Club, wo sie selber Tennis spielten. Als ich älter wurde, schaute ich immer Tennis im TV und war ein echter Fan, es kam zu einem Punkt, wo ich meine Eltern fragte, wie ich Profi werden könnte. Sie haben mich erst die Schule zu Ende bringen lassen, aber natürlich spielte ich schon sehr viele Junioren-Turniere.
Hatten Sie als Kind ein Tennis-Idol? JG: Martina Hingis. Sie variierte wie keine andere, veränderte häufig den Rhythmus. Sie schlug nicht am schnellsten, aber baute das Spiel sehr intelligent auf. Als sie zurück in die Top 10 kam, dachte ich, das ist wirklich etwas Besonderes. Und natürlich spielt Roger Federer Tennis wie aus einer anderen Welt.
Was halten Sie von Ihren Stärken? JG: Meine Auschlag und meine Vorhand helfen mir sehr viel.
Und was brauchen Sie, um besser auf das nächste Level zu gelangen? JG: Ich muss noch konstanter spielen. Ich kann sehr gute Matches spielen, möchte aber langfristiger auf hohem Niveau spielen. Es ist zum Teil auch der Glaube an das eigene Spiel.
Was ist Ihr schönste Erinnerung? JG: In Bezug auf die Ort und Emotionen war es mein erstes Match in Wimbledon 2008. Ich schlug Katarina Srebotnik mit 16-14 im dritten Satz, das Match dauerte 3 Stunden 41 Minuten! Schön war auch, im Doppel mit Vladimira Uhlirova in Portoroz 2009 meinen ersten WTA-Titel zu gewinnen.
Welchen Schlag würden Sie gerne von einem anderen Spieler beherrschen? JG: Die Rückhand von Jelena Jankovic.
Welches ist Ihr Lieblingsbelag? JG: Gras.
Lieblings-Turnier oder Stadt? JG: Die Australian Open. Ich würde gerne ein paar Wochen durch das Land reisen.
Wie gefällt Ihnen am besten auf der Tour? JG: Ich bin damit in der Lage andere Länder und Kulturen kennen zu lernen, sehe, wie Menschen leben und arbeiten. Ich bin mit meinem Trainer Sascha Nensel unterwegs, aber wenn meine Mutter dabei ist, versuchen wir immer einige Sehenswürdigkeiten zu besuchen. Spanien und Mexiko sind auf meiner Liste ganz oben. Aber ich bin auch gerne einmal zu Hause. Manchmal ist das Reisen schon anstrengend.
Wenn nicht Tennis ... JG: Ich glaube wirklich, ich würde gerne am Empfang eines Hotels arbeiten! Als ich klein war, war ich auch immer von Computern und Kassensystemen in Supermärkten fasziniert.
Was machen Sie außerhalb des Tennis? JG: Ich bin ein Biathlon-Freak. Wenn ich irgendwie geht, verpasse ich keine Minute bei TV-Übertragungen und würde es gerne einmal selbst versuchen. Im vergangenen Jahr hat mein Trainer mir einen Gutschein für drei Stunden Trainingslager zu meinem Geburtstag geschenkt. Aber noch habe ich es nicht geschafft. Ich mag auch die üblichen Dinge: Ausgehen mit Freunden, Filme sehen, Musik hören von Blue und Rihanna – und ab und zu shoppen gehen.
Was planen Sie jetzt? Ein paar Tage in Nürnberg mit Tante und Onkel zu verbringen und danach nach Berlin fahren, um Freunde zu besuchen.
Wer sind Ihre besten Freunde auf Tour? JG: Vor allem die deutschen Spielerinnen. Ich mache aber auch viel mit Patty Schnyder, die ihr Heim in der gleichen Stadt wie ich in Deutschland hat. Sie ist wirklich sehr nett und wir haben zusammen gemeinsam Doppel gespielt.
Was sind Ihre Ziele für das Jahr 2010? JG: Ich möchte in die Top 50, aber lege den Schwerpunkt nicht zu sehr auf die Platzierung. Ich denke, ich möchte lieber eine gleichmässige und langsame Steigerung.
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